Aktuelles im DRK Ortsverein Wangen 

Retter, die auf möglichst wenige Einsätze hoffen

Deutsches Rotes Kreuz leistet bei Unfällen und Bränden Hilfe hinter den Kulissen

WANGEN - Im Juli vergangenen Jahres verunglückte ein Lastwagen auf der A-96-Brücke bei Neuravensburg spektakulär. Im Oktober 2011 kamen bei dem tragischen Hofbrand in Ratzenried- Berfallen zwei Kinder ums Leben. Im März dieses Jahres fängt mitten in der Nacht das Thiermann- Haus Feuer. Drei Großeinsätze, die für die Rettungskräfte Schwerstarbeit waren. Dreimal wirkte die Bereitschaft des Roten Kreuzes Wangen mit – meist im Hintergrund. „Wir stehen nicht in vorderster Front und hoffen, dass wir nicht eingreifen müssen“, sagt Bereitschaftsleiter Jörg Rusch. Wie beim Brand im Thiermann-Haus: Elf Menschen aus umliegenden Gebäuden der Altstadt waren evakuiert worden. Dass sie heiße Getränke und wärmende Decken in kalter Nacht bekamen, dafür sorgten die Rotkreuzler. „Das war eine reine Vorsichtsmaßnahme, die Leute rauszunehmen.“ Auch auf der A 96 waren sie dabei. Den LKW-Fahrer zu bergen, gehörte zur Aufgabe des Notarztes.

Für das Wohl der anderen Einsatzkräfte zu sorgen, indes jene des DRK. Dass dies ab und an nötig ist, hat sich vor Jahren bei einem Gefahrgutunfall auf dem damaligen Dachser-Gelände gezeigt. Unter Atemschutz und Ausrüstung litten die Feuerwehrleute unter großer Hitze, Getränke und medizinische Erstversorgung unternahm das Rote Kreuz. Allerdings gibt es auch Fälle, in denen es aktiv eingreift. Wie beim Hofbrand in Ratzenried: „Da ist auf einmal die Großmutter der Kinder aufgetaucht und hat nach ihren Enkeln gefragt“, berichtet Rusch. „Da bedarf es Erfahrung.“ Ein rundes halbes Dutzend psychologisch geschulter Ehrenamtlicher hat das Wangener DRK dann, die Unfallopfer betreuen. In Ratzenried reichte diese Hilfe weit über das Gespräch vor Ort hinaus. Laut Zugführer Martin Held waren die DRKler auch bei der Beerdigung der beiden Kinder und bei den anschließend notwendigen Ämtergängen der Opferfamilie begleitend mit dabei.

Schwierigster Einsatz Wahrlich keine einfache Sache – auch nicht für die psychologisch geschulten Betreuer. Deshalb können auch sie sich professionelle Hilfe von Psychologen holen, wenn ihnen ein Einsatz arg zusetzt. Martin Held, selbst nicht Mitglied dieser Gruppe, weiß, was Ratzenried für die Köpfe aller vor Ort arbeitenden Rettungskräfte bedeutet hat. Der Hofbrand mit seinen fatalen Folgen sei tatsächlich einer der schwierigsten Einsätze in 15 Jahren Dienst beim Roten Kreuz gewesen. Auch aus persönlich besonderem Grund, denn Held ist selbst Vater zweier kleiner Kinder. Stellt sich vor diesem Hintergrund die Frage der eigenen Motivation, beim Bereitschaftsdienst mitzumachen und im Zweifelsfall unvermittelt vor äußerst schwierigen Situationen zu stehen? „Die Jungen sagen, es ist eine Bestätigung, das anzuwenden, was sie gelernt haben“, so Jörg Rusch. Martin Held sieht die kleine Geste schon als Lohn: „Wenn mir jemand nach einem Hilfseinsatz Dankeschön sagt, dann tut das schon gut.“ Eine gehörige Portion persönlicher Stärke gehört laut Rusch aber auf jeden Fall dazu: „Man kann daran auch zu Grunde gehen – bei dem Leid, das man sieht“, sagt er, der seit 26 Jahren hauptamtlich für das Rote Kreuz arbeitet. In diesen Jahren gibt es aber eben auch allerhand positive Erlebnisse. In Ruschs Fall war dies zum Beispiel ein alter Mann, der einen Herz- Kreislauf-Stillstand erlitten hatte. Es kam auf jede Minute an, und der Mann überlebte. Einige Zeit später trafen sich Rusch und der Gerettete zufällig bei einem Fest wieder. Den Dankesworten folgten freundliche Taten: Der Senior übernahm Ruschs Rechnung für den Rest des Abends.

117 Aktive zählt laut Rusch der Bereitschaftsdienst des Roten Kreuzes in Wangen. Bei Unfällen oder Bränden rückt die Schnelleinsatzgruppe aus, zu ihr gehören etwa 40 Mann. Ausgerüstet ist das DRK Wangen dabei mit zwei Gerätewagen und einem Einsatzleitwagen.

 

 

(Quelle: SZ)

 


 


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